„Daten sind das Öl des 21. Jahrhunderts!“
Am 28. Juni 2012 fand der 2. Open Data Day in Zürich statt. Das MCM Institut war durch seine Mitarbeitenden Stephanie Grubenmann und Christoph Lutz vertreten. Ein Erfahrungsbericht.
Das Organisationskomitee um den Verein opendata.ch war es gelungen, ein vielseitiges Programm mit namhaften nationalen und internationalen Referenten zu erstellen. Der Fokus der Konferenz lag dabei weniger auf Open Data im Allgemeinen, sondern auf Open Government Data (OGD) im Besonderen. Das Spektrum reichte hier von Abraham Bernstein, Professor für Informatik an der Universität Zürich, über Rufus Pollock, Direktor der Open Knowledge Foundation, bis hin zu Ton Zijlstra, Community Steward der ePSIplatform.eu der EU. Gute Nachrichten aus Schweizer Sicht kamen gleich zu Beginn von der Stadt Zürich: Sie schaltete an diesem Tag ihr ODG-Portal auf (www.stadt-zuerich.ch/ogd) - und nimmt damit eine Pionierrolle in der Schweiz ein. Weder andere grössere Städte der Schweiz noch die Kantone bieten bisher vergleichbare Angebote.
Etwas weiter fortgeschritten sind die Open Data Bestrebungen in Österreich und Deutschland. Doch auch hier findet sich heute noch ein Flickwerk von einzelnen, unkoordinierten und überschaubaren Initiativen. Es fehle das politische Bewusstsein und Commitment, bemerkten unisono Martin Kaltenböck für Österreich und Daniel Dietrich für Deutschland. Die Bereitstellung von Daten seitens der Verwaltung und Politik scheitere meist nicht an technologischen Problemen, sondern an trägen Strukturen und am fehlenden Willen. Offenbar fehle vielen Akteuren der erkennbare (ökonomische) Nutzen einer Bereitstellung der Daten. Dabei sei Open Data nicht nur eine Chance, die BürgerInnen transparent zu informieren und einzubinden. Die Entwicklung trage auch ein enormes ökonomisches Potential, so die Stimmen fast aller Referenten (leider war in der Full Session keine Rednerin dabei). Gemäss ersten Schätzungen beträgt das Wertschöpfungspotential von Open Data, das über Anwendungen und Geschäftsmodelle generiert werden kann, 40 Milliarden Euro für den EU-Raum.
Was in Grossbritannien schon alles möglich ist, veranschaulichte schliesslich Prof. Nigel Shadbolt (University of Southampton, Member Public Sector Transparency Board UK) an beeindruckenden Beispielen. Wert entstehe vor allem in der Nutzung der Daten durch Apps, die auf sie zu greifen. Beispielsweise in Form von Auswertungen der Parkhäuser-Belegungen mit entsprechenden Empfehlungen, oder Kriminalitätsstatistiken, die der Polizei dazu dienten, ihre Patrouillen zu planen.
Auch für das Institut für Medien und Kommunikationsmanagement ist ‚Open Data‘ ein interessantes Betätigungsfeld. So erforscht am Lehrstuhl MCM2 derzeit Stephanie Grubenmann Entwicklungen im Bereich des Data Driven Journalism (Datenjornalismus). Journalisten können bei der Interpretation und öffentlichen Einordnung der Daten eine zentrale Rolle einnehmen. Diese Leistung wird mit steigenden Datenmengen und -komplexität an Bedeutung gewinnen und sollte auch mit einer gewissen Zahlungsbereitschaft auf Bürgerseite verbunden sein. Fest steht: für den einzelnen Bürger reicht alleine der Zugang zu Daten nicht aus – ein Nutzen entsteht vielmehr durch aufwändige Aufbereitungs-, Analyse- und Interpretationsleistungen. Christian Hoffmann und Christoph Lutz beschäftigen sich im Rahmen eines ISPRAT-Projekts mit den Erfolgsfaktoren von E-Partizipationsangeboten in Deutschland. Gerade für die Gestaltung innovativer Anwendungen (Smartphone Apps, Visualisierungstools, Games etc.), welche der Information und Einbindung der BürgerInnen dienen, ist der Zugang zu offenen Daten häufig unerlässlich.