Institut für Medien- und Kommunikationsmanagement

Politiker im Netz

Eine neue Studie des MCMs über Web 2.0 im Bundestag zeigt: Die Interaktion mit Bürgern ist noch ausbaufähig.

Nur wenige Bundestagsabgeordnete nutzen Social Media-Plattformen für einen Dialog mit Bürgern. Eine kleine Gruppe sehr aktiver Web 2.0-Champions steht einer Mehrheit nur selten aktiver Abgeordneter gegenüber. Zwar hat die Mehrzahl der Volksvertreter Accounts bei Facebook, Twitter & Co. Die Chancen einer regelmäßigen Interaktion via Social Media schöpfen aber bislang nur wenige Abgeordnete aus. Junge Volksvertreter urbaner Wahlkreise zeigen sich besonders offen für das Web 2.0.

Das sind Ergebnisse des ISPRAT-Projekts „Politiker im Netz: Der Social Media Activity Index 2011 des 17. Deutschen Bundestags“, durchgeführt vom Institut für Medien und Kommunikationsmanagement (MCM) der Universität St. Gallen. Mit diesem eigens entwickelten Index wird eine neue Qualität in die Diskussion um die Social Media-Nutzung der Politik eingeführt. Analysiert wird die tatsächliche Nutzung der Web 2.0-Plattformen über ein gesamtes Jahr hinweg. Neben der Anzahl der Kontakte und der medialen Vernetzung werden erstmals die verschiedenen Kommunikationsaktivitäten gemessen. Ziel ist, zu analysieren, wie sich die Kommunikation der Bundestagsabgeordneten mit den Bürgern durch soziale Medien verändert, und was Treiber dieser Veränderung sind.

Prof. Dr. Miriam Meckel, Direktorin des MCM Instituts der Universität St. Gallen: „Web 2.0 ist zwar bei vielen Abgeordneten business as usual. Entscheidend für den Erfolg in sozialen Netzwerken ist aber Authenzität, Frequenz und Intensität der Präsenz. Für den Dialog zwischen Bürger und Politik in diesen Netzwerken gilt heute: Das ist noch ausbaufähig.“

Die Messung der Social Media-Aktivitäten der Volksvertreter ergab: 2010 waren 34 Prozent der MdBs auf keiner Social Media-Plattform präsent. 57 Prozent nutzten sie gelegentlich, 8 Prozent waren dort häufig aktiv. Nur ein Prozent der 620 MdBs konnten als Social Media Champions bezeichnet werden: Sie zeichnen sich durch hohe Kommunikationsfrequenz aus, verknüpfen Plattformen, interagieren direkt mit „Freunden“ oder „Followers“.
Die beliebteste Plattform war 2010 Facebook, gefolgt von Twitter und MeinVZ. Blogs, Youtube und Flickr wurden nur wenig genutzt.

Für die Web 2.0-Präsenz nach Parteifarben gilt: Im Web 2.0 regierte 2010 Grün-Rot. Abgeordnete der Bündnis 90/Die Grünen-Fraktion waren am häufigsten im Social Web unterwegs, gefolgt von SPD und FDP. Abgeordnete der Fraktionen der Unionsparteien und der Linken zeigen sich eher als Web 2.0-Muffel.

Matthias Kammer, ISPRAT-Vorstandsvorsitzender: „Facebook, Twitter und Co. sind gute Möglichkeiten, um sich als Politiker mit Bürgern direkt zu vernetzen. Diese Chance sollte von möglichst vielen Politikern genutzt werden, nicht nur von wenigen im Web 2.0 sehr Aktiven. Wenn Politik diesen niedrigschwelligen Zugang ernsthaft – also tatsächlich interaktiv – anbietet, eröffnet sie neue Formen des Diskurses mit den Bürgern."

Dem vorliegenden Zwischenbericht wird eine qualitative Analyse der Social Media-Aktivitäten durch eine Befragung der MdBs folgen.

Weiterführende Informationen

Die neue MCM-Bibliothek

Downloads

Der Zwischenbericht „Politiker im Netz: Der Social Media Activity Index 2011 des 17. Deutschen Bundestags“ hier zum Download

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Prof. Dr. Christian Pieter Hoffmann
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